
— Schreibt Branko Veljković —
Mitteilung der Studenten in der Blockade — Wir verurteilen die Versuche von Medien und politischen Akteuren, aus der tragischen Situation Profit zu schlagen, in der sich Dijana Hrka1 derzeit befindet. Dijana ist ein Teil von uns allen, und wir bringen unsere große Sorge um ihren Gesundheitszustand zum Ausdruck. Die Studenten stehen an Dijanas Seite!
Ich respektiere außerordentlich die Reife, das Bewusstsein und die Scharfsinnigkeit der Studenten, die offenkundig alle luziferischen Machenschaften des Regimes erkannt haben. Diese Mitteilung ist das vollkommene Maß an Bewusstsein, Gewissen und Erkenntnis einer ganzen Generation darüber, wo sie lebt und wer und was „sie“ eigentlich sind, derentwegen all dies geschieht.
Bravo, Studenten!
Die Kraft von Dijana Hrka ist die Kraft einer Mutter, die einen Sohn verloren hat. Das ist unbeschreiblich.
Ihr Hungerstreik ist kein bloßes politisches Marketing wie der Streik jenes Apparatschiks vor dem Parlament. Der Apparatschik auf Krapfen steht dort, weil die „ich mache nur meinen Job“-Beamten durch ihre Maßnahmen und Handlungen an die Information gelangt sind, was Dijana Hrka beabsichtigt, und dann auf der medialen Ebene, der einzigen Ebene der Macht, die es in Serbien noch gibt, versucht haben, dem Schritt der Mutter des verunglückten jungen Mannes zuvorzukommen und ihn zu entwerten. Auf der anderen Seite haben sie wie Hyänen die gesamte Regimeopposition auf Dijana gehetzt sowie all jene, von denen sich die Studenten im vergangenen Jahr distanziert haben, wegen der klar erkannten und offensichtlichen Sabotagen der Studentenbewegung und ihres friedlichen, würdevollen und studentischen Kampfes für Gerechtigkeit.
Die Studenten kennen die Mutter Dijana. Sie wissen, dass im Unterschied zum Partei-Apparatschik das Ergebnis ihres Streiks leicht der physische Tod sein könnte. Die Studenten Serbiens verstehen das und bitten sie, die Kraft zu finden und zu leben!
Leider gibt es allzu viele, denen Mutter Dijana jetzt mehr nützt tot als lebendig.
Am Ende hat sich gestern, wie immer aus für ihn sicherer Distanz, auch der Selbsternannte2 endlich an sie gewandt. Er und seine „Botschaften des Friedens“3. Er entschuldigt sich bei Dijana für alles, was seine Stoßtrupps ihr im letzten Jahr angetan und zugefügt haben. Blasiert, unehrlich, erbärmlich, wie immer. Nach einem Jahr der Hölle, die diese Frau durchlaufen hat, einer Hölle des Kampfes um Gerechtigkeit in Serbien, die nur mit der Hölle zu messen ist, die die Familie Milivojević durchgemacht hat, die Familie von Milomir Milivojević, des jungen Mannes, der in der Fabrik „Milan Blagojević“ in Lučani ums Leben kam. Erinnern wir uns, der verantwortliche Leiter in diesem Unternehmen zum Zeitpunkt des Unglücks, Vladimir Lončarević, wurde im folgenden Gerichtsverfahren von jeder Verantwortung freigesprochen und der verantwortlichen Person wurde die Strafe von ursprünglich drei auf zwei Jahre Haft herabgesetzt. Der Direktor der Fabrik, Radoš Milovanović, der ebenfalls unter den Beschuldigten war, ist inzwischen verstorben, nicht verurteilt. Laut dem Bericht des Verteidigungsministeriums, der nach beispiellosem Druck nicht in die Akten des Amtsgerichts in Čačak aufgenommen wurde, wird festgehalten, dass sogar elf Maßnahmen, Handlungen und Verfahren nicht vorschriftsgemäß durchgeführt wurden, während das Objekt selbst, in dem das Magazin untergebracht war, vor dem es zu dem Unglück kam, gar nicht in Betrieb sein durfte, da es zu diesem Zeitpunkt keine Nutzungsgenehmigung hatte. Vor Milomir sind allein in dieser Fabrik laut den Worten des Vaters des verstorbenen jungen Mannes bereits 20 Arbeiter ums Leben gekommen. Niemand wurde je zur Verantwortung gezogen. Immer waren die Toten schuld.
In Serbien sind die Toten schuld daran, dass die Korruption sie getötet hat.
Der Selbsternannte sagte zum Vater des ums Leben gekommenen jungen Mannes, als sich der Vater an ihn wandte und sagte, dass in dieser Fabrik bisher 21 Arbeiter ums Leben gekommen seien: „Hier arbeiten die Menschen nicht wie auf einem Laufsteg, sondern sie arbeiten in einer Schießpulver- und Waffenfabrik…“.
So sehen die „Entschuldigungen“ eines geisteskranken Menschen aus.
So entschuldigt er sich auch bei Dijana Hrka.
So entschuldigt er sich auch beim ganzen serbischen Volk.
Jetzt wende ich mich an dich, Dragan.
Der Ingenieur erkannte rechtzeitig den inneren Raum seines Sohnes. Er ließ ihn bewusst so ausfüllen, wie er meint, dass es sein soll. Dann begann der Sohn zu umherzuirren… Nicht nur als Vater war er verpflichtet, dem Sohn zu erklären, wie viel von seinem Raum ertragen werden kann. Er setzte die Hyänen in Bewegung…
Pädagogik.
Als sie das sahen, alle, die meinten, dass es so sein müsse, traten sie an den Ingenieur heran, um ihn nach dem Sohn zu fragen.
Als du begriffen hast, auf wen die Hyänen knurren und die Krallen heben, hast auch du reagiert, damals als Bürgermeister von Belgrad. Dich beunruhigte ernsthaft die Erkenntnis, auf wessen Sohn die Hetzjagd begonnen hatte. Sofort bist du zum Ingenieur gegangen. Der Ingenieur empfing dich und hörte dich an. Er sagte zu dir: „Misch dich, Dragan, nicht in etwas ein, das du nicht verstehen kannst.“ In gewisser Weise verständlich, versuchtest du dich zu rechtfertigen: „Aber wie soll ich das händeln, man wird mich fragen…“ Der Ingenieur antwortete dir: „Das wird so lange dauern, wie ich will, dass es dauert.“
Also, Dragan, ich wiederhole es dir. Diesmal nicht im Zusammenhang mit dem Sohn des Ingenieurs, sondern im Zusammenhang mit dem, woran du und die Deinen beharrlich versucht teilzunehmen, und wie ich sehe, seid ihr mit der Art und Weise nicht wählerisch. Beschäftigt euch nicht mit etwas, das ihr nicht verstehen könnt. Dir ist klar, dass nicht das Regime bestimmt, wie lange das dauern wird! Alles, was das Regime tun kann, ist, Wahlen auszuschreiben. Auch in zwei Tagen, zum Beispiel.
Du kannst das auffassen, wie du willst, aber am besten ist es, es als Vorschlag zu verstehen – du und alles, was mit dir zu tun hat, zieht euch zurück! Zieht euch vollständig zurück.
Missbraucht weder die toten Opfer noch die lebenden Mütter!
Was du verstehen kannst und woran du selbst so eifrig teilgenommen hast ist, dass man zugelassen hat, dass alle denken, hier sei alles „abgekartet“. Es gibt einen Grund, warum das so ist und warum dem Regime erlaubt wurde, selbst daran zu glauben. Aus Gründen historischer Parallelen dachte auch Herodes4, alles sei „abgekartet“, und verspottete die Idee eines Kaisers, vor dem wir uns alle verneigen sollen. Und dann wurde Herodes von Panik ergriffen. Die Panik führte ihn in die Zerstörung. Die Zerstörung in den Wahnsinn. Ich weiß, dass du weißt, wie das damals endete.
Erkennst du etwas in all dem?
Vielleicht eine Parallele zu deiner Welt?
Darum heißt das Jüngste Gericht auch das „schreckliche“, weil es Ewigkeiten geschwiegen und zugelassen hat.
Deshalb ist es nicht gut, dass ihr Teil des Chaos seid, in dem sanfte und kreative Menschen gezwungen sein werden, Aufgaben zu lösen. Alles ist besser als das, glaub mir.
Serbien hat jetzt eine Generation junger Menschen, die nicht akzeptieren, Sklaven zu sein. Diese Menschen werden die Agonie beenden, in der Sklaven eine neue Generation von Sklaven erziehen. Sie haben ihre Stimme erhoben!
Diese Stimme hat ihre Farbe, ihre Frequenz, ihren Raum zur Verbreitung und ihre Rolle.
Auch den Sanhedrin5 hätte Christus nicht gestört, hätte Christus geschwiegen!
Aber das hat er nicht!
Er verkündete!
Wie es ein Freund von mir so schön sagte, deshalb akzeptieren diese jungen Menschen nicht, nur ihre eigenen Kinder mit äußerster Härte zu verteidigen und die Fremden „mit allen diplomatischen Mitteln“. Sie verstehen, dass der Vater derjenige ist, der alle Kinder sieht und liebt wie seine eigenen. So verhalten sie sich auch. Das rote Pentagramm hat tatsächlich die Geister unserer Väter getrübt, aber das Gewissen schafft noch immer Abstand. Die Studenten Serbiens haben ein Gewissen. Der Archetyp ist wiedergeboren!
Was den Selbsternannten betrifft, allen, auch dir, ist klar, wie primitiv und vorhersehbar er ist. Du siehst, dass er nur seinen Sturz beschleunigt und sich selbst den Manövrierraum zerhackt. Vom Exil im Westen und von Zuflucht im Osten ist nichts geblieben. Übersee duldet Lügner dieser Art nicht, und der Osten verachtet seinesgleichen. Ich denke, du kannst dir vorstellen, wer ihm das „ausgehandelt“ hat. Ihm bleibt nur ein wahnsinniges Europa, und das auch nur, weil sie eine senile Hure ist, so durchseucht von Viren6, dass sie auf einen Weiteren, mehr oder weniger, nicht einmal mehr reagiert. Auch Europa versteht in ihrer Finsternis nicht, was selbstverständlich ist und was nicht sein muss. Deshalb ist dieser unersättliche Hunger erwacht. Hunger erzeugt dann unerträgliche Unterschiede, und Unterschiede führen in die Disbalance. Unkontrollierte Disbalance ist dann das Ende der Politik. Und all das geschah aus einem Grund. Die Großen wissen.
Der Selbsternannte treibt obenauf, weil auch die EU panische Angst vor einem neuen politischen Raum hat, der imstande wäre, mit dem Radiergummi manche aufgestauten Probleme zu lösen, und diskret tragfähige Fenster zu verabreden. Tatsächlich spüren Europa und der Selbsternannte, dass sich so etwas schon eine Weile vollzieht. Natürlich ist da auch Frau Ursula, perfekt ausgewählt, um als geborene Kommissarin für Apanagen zu leben, und Kommissare beiderseits des Spiegels sind längst nicht zimperlich bei Apanagen, die mit serbischen Kilometern bezahlt werden. Daher ist der serbische Kilometer unter anderem so teuer. So wurden die Kommissare Teil der serbischen Tragödie, mithin der Verantwortung, und dem Selbsternannten wird man es fürs Erste vergelten mit: „Jetzt ist nicht die Zeit für Wahlen.“ Darum erhielt der Selbsternannte eine unverbindliche Resolution, in der weder Kosovo noch Lithium erwähnt werden. Die EU ist gezwungen zu zeigen, dass sogar in unserem gottverlassenen Kaff gewisse „europäische Werte“ geachtet werden, sonst würden Fragen zu den Fonds, den Triaden um die Aufnahme und vielleicht auch noch viel unangenehmere Fragen gestellt werden. Die Resolution sollte ein Geschenk an den proeuropäischen Teil des serbischen Establishments sein, doch das ist nicht tragfähig, selbst wenn die regimeeigenen Machenschaften gelängen, die Studentenliste mit dem Regime loyalen, der regimeeigenen Opposition unterstellten Kadern zu vernetzen. Sieh nur, nicht wegen meiner Verwandtschaft mit drei Königen, aber du siehst, wie die Schweden reagiert haben.
Stell dir außerdem vor, die Studenten würden jetzt einen “radikalen Schnitt” machen und 150 ihrer Altersgenossen auf die Liste setzten. Stell dir vor, der männergeile König hätte das Kriegsende mit einem lebenden Apis7, Tankosić8, Golubić erlebt – wo wäre dann Rada Pašić9? Oder stell dir die SFRJ10 vor, wäre sie nach dem Krieg von echten SKOJ-Leuten11 und Erstkämpfern übernommen worden, und nicht von alten, perversen Kommunisten. Deshalb mussten die Zweiten die Ersten rechtzeitig umbringen. Die Ersten glaubten wirklich an soziale Gerechtigkeit und an ein „besseres Morgen“, die Zweiten aber waren wirklich Bluthunde. Persönlich wie auch durch Denunziationen bei der Besatzungsmacht haben sie sie der Reihe nach umgebracht. Alle.
Siehst du, auch für das, was er bekommen hat, ist der Selbsternannte befristet. Nur auf ein paar Monate. Die EU würde vielleicht gern das ihr vertraute Establishment bewahren, dem du glaubst anzugehören, aber was meinst du, wie lange sie brauchen wird, um den neuen Zustand der Dinge zu akzeptieren? Schau dir Nepal oder Syrien an.
Ich könnte dir erklären, wie wenig die EU-Kommissare über ihr eigenes Schicksal und die Gefahren wissen, die der „Selbsternannte“-Virus mit sich bringt, aber dann müsste ich dich in den Ausstiegspunkt führen, und dafür ist nicht die Zeit. Eigentlich ist es eher das Nadelöhr, falls du dich an die Heilige Schrift erinnerst. Diese Lehre setzt Licht voraus, und du hast wohl begriffen, dass es hier kein Licht gibt.
Für jetzt würde ich dir sagen, dass es für alle besser ist, wenn ihr die Formierung einer neuen Realität nicht bremst und den Tod nicht missbraucht – nicht nur, um euch eventuell wenigstens einige Rollen zu sichern, sondern auch deshalb, weil ihr euch bewusst seid, dass dieser Zustand unhaltbar ist und die Formierung einer neuen Realität ohne uns nicht möglich ist.
Erinnere dich. Der Selbsternannte konnte die Dinge nie rational betrachten. Alle um ihn herum haben mit der Zeit begriffen, wie er agiert, und sind nicht bereit, für seine Wahnideen und Annahmen zu leiden. Was in seiner Agenda unvermeidlich folgt, ist die Formalisierung des Verrats12, sowohl in Bezug auf die NATO als auch auf den Kosovo und bei allen ausländischen Projekten auf dem Gebiet der Republik Serbien. Es folgt auch der vollkommene Wirtschaftskollaps, denn der Selbsternannte ist nicht die Hand am Ventil, sondern nur die Materie in den Rohren. Was wird danach noch übrig sein? Was die Russen betrifft, Jevgenij wird ihnen erklären, dass es nicht schön ist, ein Regime zu stützen, das Munition13 verkauft, um russische Soldaten zu töten. Nicht der Soldaten wegen, denn es gibt kein Regime, das nicht bereit wäre, seine Macht mit toten Armeen zu festigen, sondern wegen den Wählern. Wir haben gezeigt, dass wir ihnen ebenfalls ein Traktat über die Nachhaltigkeit von Imperien schenken können. Falls es nötig sein sollte…
Übrigens, das Wahnsinnsstadium von „Wer war noch gleich dieser Cvijan14?“ lässt sich im Kopf eines Geisteskranken leicht in „Wer war noch gleich dieser Dragan15?“ verwandeln. Das ist keine Metaphysik, das ist nur eine weitere Diagnose. Eigentlich gibt es da keinen zeitlichen Unterschied, nur den Akt eines Wahnsinnigen. Es genügt, dass er glaubt, du könntest für ihn gefährlich sein oder sich einbildet, jemand werde ihn überleben und seinen Sturz feiern. Damnatio memoriae16 und das Erinnerungsverbot sind nicht seine Erfindung, aber du siehst, dass er genau dazu neigt. Nicht alle sind so selig in der Erkenntnis wie Genosse Kokeza17 vom Strand, dem es zwei Jahre dauerte zu begreifen, dass Trebinje18 nicht Miami ist. Ihn schützt vor dem Reden ein Dutzend Teletubbies mit konkreten Aufträgen für den Fall der Fälle. Alle wissen das – außer Kokeza. Er hält sie für Leibwächter.
Wer schützt dich, Dragan?
Erinnerst du dich an deinen Stanojević, er war in deiner Stadtverwaltung. So glattgestriegelt, überheblich, er glaubte, der Sinn der Verwaltung sei persönliche Bereicherung auf Kosten der Bürger. Du hast das, politisch korrekt gesagt, toleriert, aber der Ingenieur nicht. Er sagte euch klar, ihr seid nicht normal. Ihr habt in der Ukraine ein Bergwerk bekommen, wo ihr Pfähle herstellen und für Spottpreise kaufen konntet, „alles ist euch offen wie ein Lagerhaus“, sagte er euch. „Ihr könnt Geschäftsarrangements treffen und das aus Serbien re-exportieren, alles ist geregelt, aber es gibt einen Rahmen dafür, was verbaut sein muss, damit es keine Probleme mit Stabilität und Bauqualität gibt, und ihr wollt sogar daran sparen?“ Wegen eurer Unverschämtheit und der potenziellen Gefahren kündigte er euch Ärger an, falls du dich erinnerst. Und ihr habt Ärger bekommen. Einige Journalisten wurden im Zusammenhang mit „Belville“ darüber informiert, dass die Pfähle, die ihr in die Fundamente der Gebäude gesetzt hattet, radioaktiv waren. Der Wohnungsverkauf begann zu „platzen“, und es bestand die Gefahr, dass auch die Universiade „platzen“ könnte. Ihr seid in Panik geraten. Die Halluzinationen begannen. Dann sagte euch der Ingenieur, er habe das alles laufen lassen. Ihr verstummtet. Um euch zu trösten, erklärte er, mit der Universiade werde alles in Ordnung sein, aber ihr solltet hier nicht mehr sparen und davon nichts abzweigen, um zusätzliches Geld zu verdienen. Er sagte euch auch, beim nächsten Mal werde er veröffentlichen, ihr hättet Plutonium in die Fundamente gesetzt, und dann werde jemand zur Verantwortung gezogen werden müssen.
Er sagte „spart nicht“, und meinte damit, stehlt nicht.
Danach hast du dich persönlich dafür eingesetzt, dass Belgrad endlich eine Rekonstruktion bekommt, die länger dauert als ein Wahlzyklus. Da ist sie – sie dauert bis heute. Das war natürlich erzwungen, aber gut.
Der Ingenieur wusste sehr gut, wie viele Probleme unvorhergesehene Einstürze verursachen können. Bei einer solchen Tragödie und all ihren Folgen hätte der Schmerz im Herzen längst eine präventive Lösung für die Verantwortlichen gebracht.
Der Selbsternannte ist unfähig, eine Nivellierung zu tragen, und macht aus der Tragödie von Novi Sad beharrlich einen Schwerpunkt, für den es in einem Moment kein Material mehr für ein Gegengewicht geben wird.
Wie ich gestern einem neugierigen Freund erklärte, Politik ist wie ein Stromschlag. Wichtig ist zu wissen, wo er eintritt und wo er austreten wird, und alles, was dazwischen geschieht, kann dem Zufall überlassen werden. War das nicht das leitende Prinzip der Französischen Revolution?
Und sag mir jetzt du, Dragan, welcher der beiden Punkte dir bekannt ist – oder irgendjemandem, mit dem du heute sprechen kannst?
Oder komm, etwas viel Einfacheres. Sag mir, weißt du, welchen Stab der deutsche Minister in zwei Wochen nach Belgrad mitbringt? Es wäre nicht korrekt, von dir zu verlangen zu wissen, wer den Rahmen dieses Besuchs festgelegt hat, aber betrifft dich das alles? Vielleicht sollte ich den Studenten etwas darüber sagen, damit sie begreifen, wie sehr sie in Wahrheit schon gesiegt haben?
Und jetzt, denk nach. Wie viel Unhaltbares ist in Serbien in den letzten 13 Jahren errichtet worden? Du bist ein Mann der technischen Wissenschaften, also brauchst du nur diesen Teil zu betrachten, und es wird dir klar. Ganz zu schweigen von der gesellschaftlichen Architektur, die so, wie sie ist, völlig unhaltbar ist. Und alle werden irgendwann mit vollem Recht Antworten verlangen. Und was dann?
Der Selbsternannte wird zuerst an seinen eigenen bösen Absichten und am Charakter seines seelenkranken Wesens zerschellen und erst danach am Willen des Volkes. Aber wenn es so weitergeht, wer wird dann der erste Verteidiger sein?
Niemand!
Warum auch – nach all euren Verstocktheit?
Du erinnerst dich, dass Zoran Đinđić den Standpunkt hatte, Serbien könne ein offenes Verfahren gegen Slobodan Milošević nicht tragen und dass ein solches Verfahren die Staatssicherheit erheblich erschüttern würde, wenn sichtbar würde, wer in diesen zwölf Jahren tatsächlich was getan hatte. Für die Öffnung der 90er-Jahre war tatsächlich ein politischer Magen nötig, den unser Volk leider auch heute nicht hat. Deshalb wurde ein Abkommen getroffen. Milošević akzeptierte stillschweigend, für Dinge verantwortlich zu sein, für die er es nicht war; der damalige Leiter des Staatssicherheitsdienstes traf seine eigene Vereinbarung im Bewusstsein, „damit kein Problem zu haben und zu verstehen, wie das gemacht wird“, und Đinđić entschied, die innere Sicherheit über die Souveränität des Landes zu stellen und Milošević dem Haager Tribunal auszuliefern. Damit zeigte er, dass das Land nicht die Kapazität hat, sich auf eigenem Territorium mit einem rechtlichen Zustand auseinanderzusetzen, der einen politischen Kontext trägt. Kroatien hat diesen Fehler nicht gemacht. Kroatien nahm den Vorschlag des Ingenieurs an, eine Epoche mit Ivo Sanader19 zu „schließen“. Damit zeigte es wenigstens für eine Zeit, ein souveräner Staat zu sein, der schwere politische Strafverfahren tragen kann.
Und was ist jetzt die Lösung?
Das aktuelle Konzept der nationalen Sicherheit Serbiens reduziert sich auf die Bewachung des „Ćacilands“20 und der zugehörigen „Ćacis“, auf die Festnahme und Verfolgung von Studenten und den Versuch, die Studenten in einen „nationalen“ und einen „zivilen“ Teil zu spalten. Was für ein nachhaltiges politisches Umfeld kann es überhaupt geben nach einer solchen Ausgangslage?
Und all das habe ich dir gesagt, obwohl es mir scheint, dass du nicht abweichen wirst. Du bist kein freier Mensch, du bist ein Verbündeter des Selbsternannten, du hast zugestimmt.
Die erste Aufgabe der neuen Ordnung wird sein zu zeigen, dass sie jedes Gerichtsverfahren auf eigenem Territorium zu tragen vermag. In einem solchen Verfahren muss jedes Bündnis mit dem Verfassungsbrecher – auch deines, ob in Position oder Opposition – Gegenstand der Rechtsprechung sein.
Wie willst du bei einer solchen Spannung den Revanchismus kanalisieren?
Serbien war nach solchen Plagen imstande, Gekennzeichnete zehn Jahre lang zu jagen und einzuholen.
Seine Untaten haben all dies hervorgerufen. Und die Plage lässt nicht nach.
Darum, merke dir – wenn ein Verfahren unmöglich ist, dann ist das Gericht die einzige Lösung!
Die Studenten haben recht!
Die Forderungen der Studenten sind nicht erfüllt.
Stellen wir die Verfassung der Republik Serbien wieder her.
Und was dich betrifft, Selbsternannter, beinahe hätte ich es vergessen – vom Quartal wird es zum dritten Mal nichts.
Du weißt sehr wohl, warum.
Es ist nicht schön, dass du Hyänen auf meine sanftmütigen Menschen hetzt.
Und klug ist es nicht, dass du deine Schulden vergisst. Auf meiner sich drehenden Ebene ist Schuld keine materielle Kategorie, und ich überlege schon, was ich von dir nehmen soll?
- Dijana Hrka — Auszug aus dem Text „Wir und sie, die Hunde sind losgelassen“, veröffentlicht am 29.10.2025 auf dieser Website brankoveljkovic.com.
Am 01. November 2024 kamen in Novi Sad infolge des Einsturzes einer Überdachung sechzehn Menschen und ein ungeborenes Kind ums Leben.
Stefan Hrka, geb. 1997, aus Belgrad. Stefans Mutter Dijana konnte bei der Identifizierung vor dem Metallsarg nur das Gesicht ihres Sohnes sehen: „Mir ist bewusst, dass ihn niemand zurückbringen kann, aber ich spreche mit ihm. Ununterbrochen spreche ich mit ihm … Mein Stefan hört mich, er versteht mich, er ist Teil meiner Seele.“
Wegen ihres Kampfes, die Wahrheit festzustellen und die Verantwortlichen für den Einsturz der Überdachung zur Rechenschaft zu ziehen, ist Dijana Hrka einem organisierten und beispiellosen Terror des Regimes ausgesetzt. Der Terror gegen Dijana dauert an. ↩︎ - „Der Selbsternannte“– bezieht sich auf den Politiker Aleksandar Vučić, der entgegen der Verfassung die Rolle des Präsidenten von Serbien an sich reißt, diese bricht und gegen den Willen des Volkes handelt.. ↩︎
- Alles dazu im Text vom 01.11.2025, veröffentlicht auf dieser Website — „Botschaft des Friedens“. ↩︎
- Herodes (geboren 73 v. Chr. in Idumäa, wahrscheinlich in Marissa; gestorben im März 4 v. Chr. in Jericho), auch genannt Herodes der Große, war ein jüdischer Klientelkönig Roms. ↩︎
- Der Sanhedrin, hebräisch סַנְהֵדְרִין sanhēdrîn bzw. סַנְהֶדְרִין sanhædrîn, oder Hohe Rat war eine jüdische religiöse und/oder politische Instanz, deren konkrete Aufgaben und Einflussbereich sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren lassen. ↩︎
- „Virus“ – bezieht sich auf den moralischen und politischen „Virus“, den der Selbsternannte in sich trägt, erstmals erwähnt im vorherigen Text „Eine mildere Form der Vergewaltigung, Vergewaltigung mit dem Segen des Staates“ ↩︎
- Dragutin Dimitrijević „Apis“ – Saloniki-Prozess – Von Ende 1916 bis Anfang 1917 fanden geheime Friedensgespräche zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich statt. Es gibt Hinweise darauf, dass parallel dazu Gespräche zwischen Österreich-Ungarn und Serbien stattfanden, wobei Premierminister Pašić seinen rechten Mann Stojan Protic und Regent Alexander seinen Vertrauten Oberst Petar Živković zu geheimen Verhandlungen nach Genf entsandten. Seit einiger Zeit hatten Regent Alexander und ihm loyale Offiziere geplant, die von Apis angeführte Militärclique zu beseitigen, da Apis eine politische Bedrohung für Alexanders Macht darstellte. Die Friedensforderung Österreich-Ungarns gab diesem Plan zusätzlichen Auftrieb. Am 15. März 1917 wurden Apis und die ihm loyalen Offiziere aufgrund verschiedener falscher Anschuldigungen, die nichts mit Sarajevo zu tun hatten, angeklagt. Der Fall wurde 1953 vor dem Obersten Gerichtshof Serbiens erneut verhandelt, und alle Angeklagten wurden vom serbischen Kriegsgericht an der von Frankreich kontrollierten Front in Saloniki freigesprochen. ↩︎
- Vojislav Tankosić – war ein serbischer Militäroffizier, Vojvoda der serbischen Tschetnik-Organisation, Major der serbischen Armee und Mitglied der Schwarzen Hand. Eine ausführlichere Darstellung wurde kürzlich hier in der Rubrik veröffentlicht: „Ein Kranz unsterblichen Ruhms Flicht dir die serbische Fee, Über deinem Grab, o Vojo, Weinen Komitadschi-Truppen“ 16.10.2025 ↩︎
- Rada Pašić – Sohn von Nikola Pašić. Nikola Pašić war ein serbischer und jugoslawischer Politiker und Diplomat. Während seiner fast fünf Jahrzehnte währenden politischen Karriere war er fünfmal serbischer Ministerpräsident und dreimal Ministerpräsident Jugoslawiens und stand insgesamt 22 Regierungen vor. ↩︎
- SFRJ – Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien ↩︎
- SKOJ – Serbischer Verband der kommunistischen Jugend Jugoslawiens ↩︎
- Hochverrat – für den serbischen Kontext des Begriffs „Hochverrat“ wird auf weitere Texte mit tieferen Einblicken und chronologischem Verständnis der Verratsfälle verwiesen, die in der Rubrik dieser Website brankoveljkovic.com veröffentlicht sind – Kurti vs. Kurti. „Petar Radulović, ein guter Mann, ein Kavalleriehauptmann, ein Mann, der verstanden hat“ (29.05.2024) ↩︎
- Munition – Es gab weit verbreitete Kritik und Empörung darüber, dass das serbische Regime Waffen an die Ukraine geliefert und damit die Kriegsbemühungen der Ukraine gegen Russland und deren 2022 begonnene Sondermilitäroperation unterstützt hat. ↩︎
- Vladimir Cvijan – war ein serbischer Rechtsanwalt, Politiker und Mitglied des Präsidiums der Serbischen Fortschrittspartei; er war Parlamentsabgeordneter und Generalsekretär des Präsidenten Serbiens. Nach seinem abrupten Bruch mit der SNS und öffentlichen Anschuldigungen gegen die Regierung verschwand er Anfang 2014 aus der Öffentlichkeit. Erst im Jahr 2021 wurde bekannt, dass seine Leiche bereits im Januar 2014 in der Donau gefunden und ohne Information der Familie oder der Öffentlichkeit bestattet worden war. Offiziell wurde als Todesursache „Ertrinken“ angegeben. Zahlreiche öffentliche Persönlichkeiten, Juristen und Medien verwiesen jedoch auf viele Unstimmigkeiten, zurückgehaltene Dokumente und jahrelanges Schweigen der Institutionen, weshalb in der Öffentlichkeit weit verbreitet die Überzeugung besteht, dass Cvijan ermordet wurde und die Regierung die Umstände seines Todes jahrelang verheimlicht hat. ↩︎
- Dragan – Dragan Đilas – geboren am 22. Februar 1967, ist ein serbischer Geschäftsmann, Medienmanager und Politiker, der seit der Gründung der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (SSP) im April 2019 deren Vorsitzender ist. Zuvor war er von 2008 bis 2013 Bürgermeister von Belgrad. ↩︎
- Damnatio memoriae – lateinisch „Verurteilung der Erinnerung“ oder „Auslöschung der Erinnerung“ ↩︎
- Slaviša Kokeza – war Mitglied der rechtsextremen Serbischen Radikalen Partei (SRS) und wurde nach der Gründung der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) im Jahr 2008 Mitglied und Funktionär dieser Partei. Er ist Mitglied des Hauptvorstands und Vizepräsident des SNS-Vorstands in Belgrad. ↩︎
- Trebinje – ist eine Stadt und Gemeinde in der Republika Srpska, Bosnien und Herzegowina. ↩︎
- Ivo Sanader – ist ein ehemaliger kroatischer Politiker, der von 2003 bis 2009 als Ministerpräsident Kroatiens amtierte. ↩︎
- Ćaciland – auf Serbisch bedeutet „đaci“ „Schüler“. In der Anfangsphase der Studentenproteste schrieb jemand (vermutlich einer der angeheuerten Schläger des Selbsternannten), der wütend auf „Schüler, die zur Schule gehen und lernen wollen“ war, das Wort in einem Graffiti fälschlicherweise als „ćaci“. Dieser Fehler wurde zu einem Meme der Proteste. Als der Selbsternannte seinen „Studenten“ später einen Park anbot, nannten die Demonstranten diesen ironischerweise „Ćaciland“, das Land der Schüler. ↩︎